Ratte als Haustier - warum man den Nager einfach lieben muss

Ratte als Haustier

„Ratte als Haustier
In unserem Ratgeber „Ratten halten“ haben wir Ihnen bereits sehr ausführlich geschrieben, worauf es bei der artgerechten Rattenhaltung ankommt. Aber wie wir auf die Ratte als Haustier gekommen sind, haben wir noch nicht verraten. Das holen wir heute nach – es erwarten Sie zwei Lovestorys über die beiden Ratten Larry und Sarah.

Falls Sie bisher noch zögern, ob für Sie die Ratte als Haustier in Frage kommt – hier sind viele gute Gründe, die dafür sprechen. Außerdem gehen wir auch darauf ein, wie viel Freude uns unsere Rattengruppe machte und wie das Zusammenleben mit diesen süßen Nagetieren ist.

Ratte als Haustier: Eine Lovestory mit Chefratte Larry

Es ist schon einige Jahre her, als unsere Chefratte Larry bei uns einzog. Wir waren auf dem Weg in die Zoohandlung, um für eine Freundin eine Futterratte für ihren Königspython zu besorgen. Dadurch sind wir in zwei bewegenden Rattengeschichten gelandet, die sich wirklich genau so zugetragen haben. Denn es war ursprünglich nicht geplant, eine Ratte als Haustier zu halten.

Rattenbock Larry - von Futterratte zum Haustier

So kam die erste Ratte zu uns

Kaum in der Zoohandlung angekommen, ging alles ganz fix. Wahllos griff die Mitarbeiterin des Zoofachgeschäfts in den großen Nagetierkäfig, verpackte eine Futterratte in eine Pappschachtel, schon machten wir uns auf den Rückweg.

Noch während der Autofahrt von der Zoohandlung zur Schlangenbesitzerin knabberte sich eine kleine vorwitzige und noch namenlose Ratte durch den Transportkarton und schleckte immerzu die Finger der zwölfjährigen Beifahrerin ab. Auf der Autofahrt hat Ratte Nummer 1 sich in das Herz des Mädchens eingeschlichen. Es dauerte nicht lange, da verkündete das Mädchen im Auto:

“Mama, ich will diese Ratte behalten. Die wird nicht an die Schlange verfüttert! Auf gar keinen Fall!”

So wurde aus der namenlosen Futterratte unsere erste Haustier Ratte Larry.

Ratte Larry: Vom Futtertier zum Lieblings-Haustier

Larry wurde als Futtertier in einer Zoohandlung gekauft und sollte schon bald als Reptilienfutter verspeist werden. Während dem Transport der „Futterratte mittelgroß“ hat der possierliche Nager sich durch den Transportkarton genagt, aufgeregt und neugierig seine kleine spitze Nase nach draußen gesteckt. Dass der kleine Nager damit sein Leben retten und schon bald in ein liebevoll eingerichtetes Nagarium einziehen würde, hätte Larry sich wohl selbst nicht erträumen lassen.

Während der Fahrt wurde Rattenmännchen Larry mit frischen Apfelstückchen gefüttert und ließ sich mit der Fingerkuppe zwischen den Öhrchen kraulen. Unter diesen Umständen war schnell klar: Diese Futterratte wird nicht verfüttert, sondern soll leben. Heute lebt Larry in einem schönen Nagarium, bekommt artgerechtes Futter und täglich sicheren Auslauf und natürlich viel liebevolle Zuwendung.

Die zweite Lovestory mit Rattenmädchen Sarah

Ein paar Wochen später fuhren wir erneut zur Zoohandlung, um zwei weitere Futterratten für die Schlange zu besorgen. Diesmal war bereits vor der Autofahrt klar:

Kind- du verliebst dich nicht noch einmal in eine der Ratten. Wir können keine weitere Ratte als Haustier halten.

Der Deal war klar und alles verlief nach Plan. Zunächst! Mit zwei Ratten bei der Schlangenbesitzerin angekommen, wurde Futterratte Nummer 1 in das Schlangenterrarium gesetzt – und verputzt. Nun sollte auch die zweite Futterratte folgen. Doch die Schlange verschonte die kleine weiße Ratte mit roten Augen, die eine echte Heldin war.

Ohne Furcht und mit ihrer frechen Art tippelte das Rattenmädchen durch das Terrarium, wuselte der Schlange mutig vor der Nase herum, so, als hätte die Ratte gewusst, dass eine Schlange nur dann gefährlich wird, wenn sie Hunger hat. Die Schlange war zum Glück satt, interessierte sich nicht für das weiße Rattenmädchen.

Das Rattenmädchen wurde aus dem Terrarium gerettet. Weil sie sich mit ihrem Mut und ihrer frechen Art in alle Herzen eingeschlichen hatte, war es unmöglich, sie jemals wieder als Futtertier ins Terrarium zu setzen. Das Weibchen bekam den Namen Sarah. Leider klappte eine Vergesellschaftung mit Ratten Bock Larry in seinem Käfig nicht. Larry war zwar kein Einzelgänger, beanspruchte jedoch seinen Rattenkäfig für sich alleine.

Um Sarah dennoch ein tierisch gutes Leben mit Artgenossen zu ermöglichen, war schnell klar: wir wollen artgerecht die Ratte als Haustier aufnehmen und fuhren erneut los, um im Zoofachgeschäft weitere Futterratten zu kaufen, die wir mit Sarah erfolgreich zu einer schönen Rattengruppe zusammensetzen konnten.

Larry & Sarah: Zwei Ratten beim Auslauf

Warum haben Ratten immer noch einen schlechten Ruf?

Die Ratte ist nicht nur ein unwillkommener Schädling, sondern auch ein gern gesehenes Haustier – bei Rattenliebhabern. Eine Ratte als Haustier zu halten ist eine tolle Sache, denn das Image der Tiere tut den Nagern absolut unrecht. Zumindest, wenn man von Zuchtratten ausgeht, die sich hervorragend als zutrauliche Haustiere halten lassen.

Nicht bei jedem Menschen sind die Nager beliebt. Dies hängt damit zusammen, dass Wildratten in der Landwirtschaft beachtliche Schäden verursachen und die wilden Nagetiere als Überträger der Pest im Mittelalter verantwortlich waren.

Ratten leben in freier Wildbahn in der Kanalisation, ernähren sich als Allesfresser von Müll und sind meist von Parasiten befallen. Auch der weitestgehend unbehaarte lange Schwanz wird von vielen Menschen als eklig empfunden. Wahrscheinlich sind diese negativen Aspekte maßgeblich dafür verantwortlich, dass viele Menschen niemals auf die Idee kämen, eine Ratte als Haustier zu betrachten.

Indem Ratten als Versuchstiere in Laboren verwendet werden, wird die Ratte als individuelles Wesen und lebenswertes Tier nach wie vor nicht wahrgenommen, wie man es von Hunden oder Katzen gewohnt ist. Dass die Ratte aber sehr wohl ein tolles Haustier ist, möchten wir mit diesem Beitrag aufzeigen. Wir freuen uns, dass eine ganz besondere Ratte, nämlich Larry, uns in diesem tierischen Posting als Stellvertreter seiner Tierart zur Seite steht.

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Warum sind Ratten als Haustiere einfach klasse?

Es gibt sehr viele gute Gründe, warum die Ratte ein phantastisches Haustier ist. Das Nagetier ist ein äußerst soziales Tier, das nicht nur innerhalb der Rattengruppe sozial ist, sondern auch gegenüber dem Menschen. Die allermeisten Ratten lieben die Zuwendung vom Mensch, lassen sich gerne kraulen, mit Leckerlis verwöhnen, mit Spiel beschäftigen und die Nagetiere sind gerne dabei, wenn der Mensch aktiv ist.

Ratten und die Bindung zum Mensch

Auch Hasen und Meerschweinchen können dem Menschen zugewandt sein, aber – insofern man überhaupt die einzelnen Tierarten vergleichen möchte, haben wir den Eindruck, dass Ratten etwas mehr Bindung zum Menschen aufbauen. Selbst bei Gruppenhaltung.

Ratten sind sehr gelehrige Tiere, ebenso wie Mäuse. Das lädt dazu ein, sich aktiv mit den Tieren zu beschäftigen. Sie mit Spielen zu unterhalten, kleine Parcours aufzubauen, wo es Aufgaben zum Lösen gibt, um am Ende an ein Leckerchen als Belohnung zu kommen. Das sorgt natürlich für einen guten Zusammenhalt zwischen Mensch und Tier.

Prinzipiell funktioniert das auch mit anderen Nagetieren super. Vor allem Mäuse ähnlichen sehr dem aufgeweckten Charakter der Zuchtratte. Mäuse haben insofern den „Nachteil“, dass sie weitaus kleiner als Ratten sind – sie büchsen schneller aus, lassen sich schlechter finden, binden sich nicht so intensiv auf den Haustier-Halter, wie es bei Ratten der Fall ist. Die Ratte als Haustier lässt sich gut auf ihren Namen trainieren, kommt auf Zuruf.

Ratte als Haustier – Kosten der Rattenhaltung

Auch, wenn es bei jedweder Form von Tierhaltung immer kritisch zu betrachten ist, über Geld zu reden, ist dies durchaus ein Aspekt, über den wir reden möchten. Jeder Tierbesitzer muss sich im Klaren sein, dass die Anschaffungskosten für ein Tier nur ein Bruchteil dessen sind, was die Haustierhaltung kostet. Es kommen weitere Ausgaben hinzu:

  • Rattenkäfig
  • Käfig-Zubehör
  • Einstreu
  • Futterkosten
  • Tierarztkosten

Wer ein Haustier halten will, sollte sicherstellen, dass die Haustierhaltung nicht das eigene finanzielle Budget übersteigt. Da es sich um ein Kleintier handelt, ist die Ratte ein Haustier, das im Vergleich mit den meisten anderen Tierarten relativ geringe Anschaffungs- und Haltungskosten verursacht.

Es wird bei Weitem nicht so viel Einstreu benötigt wie bei Hasen, Meerschweinchen oder Katzen. Rattenfutter ist recht günstig. Spezielles Tierspielzeug muss nicht gekauft werden. Spielangebote für Ratten finden sich in jedem Haushalt und aus einfachen, kostenlosen Materialien kann man tolle Spielflächen für die Rattengruppe basteln und aufbauen. Kartons, leere Papprollen von Klapapier und Küchenrolle machen viel möglich.

Der teuerste Kostenposten ist die Anschaffung eines geräumigen Käfigs sowie Ausgaben für den Tierarzt, wenn diese notwendig werden.

Selbst die Tierarztkosten bewegen sich meist in sehr moderatem Rahmen. Leider ist es bei Ratten oft so, dass Erkrankungen nicht immer auffallen. Und wenn man als Tierbesitzer merkt, dass eine Ratte krank ist, es leider schon zu spät ist, das kranke Tier noch zu behandeln. Der Transport bis zur Tierarztpraxis kann bereits für das geschwächte Tier nicht mehr zu schaffen sein oder die Ratte ist von Krebs zerfressen und muss erlöst werden.

Es versteht sich aber von selbst, dass mit einem auffälligen, schwachen oder kranken Tier ihm bestmögliche tiermedizinische Behandlung zuteil werden sollte. Man darf also nicht davon ausgehen, dass mit dem Kleintier keine Kosten für den Tierarzt anstehen.

Zeitaufwand bei der Rattenhaltung

Jedes Haustier braucht Zuwendung und Versorgung durch seinen Halter. Das ist bei der Ratte als Haustier ebenfalls der Fall. Da Ratten generell in Gruppen gehalten werden, haben die Nager Artgenossen als Spielgefährten und Sozialpartner. Dadurch muss (!) der Mensch sich bei Weitem nicht mit gleichem Zeitaufwand um die Tiere kümmern, als es bei Katze oder Hund der Fall ist.

Trotzdem freut sich jede Ratte als Haustier, wenn sich der Mensch um sie kümmert, sie unter Aufsicht frei laufen lässt, mit ihr kuschelt und für abwechslungsreiche Beschäftigung sorgt.

Ein großer Vorteil ist darin zu sehen, dass es für die Zuchtratte keine große Rolle spielt, ob man sich morgens, mittags, abends, zweimal am Tag länger oder fünf mal am Tag kürzer um das Tier kümmert. Hauptsache, der süße Nager bekommt ausreichend Zuwendung und gute Versorgung.

Selbst ein Schulkind, das morgens nur wenig Zeit für das Haustier hat, kann die gemeinsame Beschäftigung auf den Nachmittag und den Abend legen. Morgens reichte es problemlos aus, wenn Futter und Wasser gereicht werden.

Als sehr kleines Tier fallen die Hinterlassenschaften auch klein aus. Wird der Rattenkäfig sauber gemacht, reicht es meist aus, nur die Pinkelecken und den festen Kot zu entfernen. Der vollständige Austausch von Streu ist nicht so oft notwendig, wenn die Einstreu dick eingebracht wird und die Ecken regelmäßig entfernt werden.

Sind Ratten als Haustiere für Kinder geeignet?

Defintiv JA! Zumindest, wenn das Kind anständig mit Tieren umgeht. Ab welchem Alter ein Kind überhaupt ein Haustier haben kann bzw. sollte, lässt sich schwer sagen. Ratten sind Kleintiere, daher ohnehin empfindlich, wenn Kinder zu grob mit ihnen umgehen.

Wir sind dagegen, dass ein Kind ein „eigenes Haustier“ besitzt – egal, um welche Tierart es sich handelt. Tiere haben im Kinderzimmer von jüngeren Kindern nichts zu suchen. Haustierhaltung ist immer eine Familiensache. Selbst kleine Kinder können in die Betreuung und Versorgung des Haustieres einbezogen werden.

Mit zunehmendem Alter des Kindes sowie abhängig von seiner Reife, kann zunehmend Verantwortung an das Kind ausgeweitet werden. Aufsicht und Kontrolle bleibt immer bei den Eltern.

Prinzipiell finden wir die Ratte als Haustier für Kinder besser geeignet, als Hase, Meerschweinchen oder Hamster. Letztere, vor allem Hamster Böckchen, neigen eher zum Beißen. Bei Ratten haben wir noch nie ein bissiges Tier erlebt. Außerdem sind Hamster nachtaktiv, während Ratten tagaktiv sind.

Unserer Erfahrung nach lassen sich Ratten weitaus sicherer aus der Hand füttern, als andere Nagetiere. Aber dies hängt gewiss immer vom einzelnen Tier sowie seines Charakters ab. Indes haben wir schon Hasen und Meerschweinchen kennengelernt, die schnell mal ihre Zähne in jeden Finger gehackt haben, der sich ihnen in friedlicher Mission mit einem Leckerli näherten.

Ratte als Haustier halten – unser Fazit

Was sollen wir noch sagen!? Wir lieben Zuchtratten. Diese zauberhaften Tiere gehören für uns definitiv zu unseren Lieblingstieren. Von anderen Rattenhaltern haben wir bisher ebenfalls nur Positives gehört. Als einziger Nachteil ist zu erwähnen, dass diese Tierart krankheitsanfällig insbesondere für Tumore und Krebs ist. Mit einem Alter von 1,5 Jahren fängt es an, dass man Ratten das Alter anmerkt. Sie schlafen mehr, sind weniger agil, der unvermeidbare Zeitpunkt des Abschiednehmens rückt spürbar näher. Die Zeit, die man mit der Rattengruppe hat, ist einfach zu kurz.

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